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Barrierefreies Bad – Ratgeber für eine erfolgreiche Planung

1. Einstieg in ein barrierefreies Leben

Seit einigen Jahren rückt das Thema Barrierefreiheit im öffentlichen sowie im privaten Bereich zunehmend in das Bewusstsein der Bürger. Dabei geht es nicht nur um den Bedarf eines barrierefreien Lebensraumes für Menschen mit Behinderungen, sondern ebenso um eine altersgerechte Bauweise. Schließlich möchten wir uns auch als Senioren frei bewegen können und uns sowohl Zuhause als auch Auswärts wohlfühlen. Bereits eine Schwelle von zwei Zentimetern kann bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oder bei Nutzung eines Rollators oder Rollstuhls ein unüberwindbares Hindernis darstellen. Denken Sie beim Neubau oder bei der Sanierung an die Zukunft und nutzen Sie die barrierefreien Lösungen, die heutzutage bereits umfangreich zur Verfügung stehen. Frühzeitig geplant lassen sich die Maßnahmen ohne große Mehrkosten umsetzen und bringen auch in jungen Jahren Komfort und Modernität in Ihr Leben. Zudem können Sie lange in Ihrer gewohnten Umgebung leben bleiben, die voller Erinnerung steckt und in die Sie viel investiert haben.

In diesem Ratgeber befassen wir uns im Detail mit der barrierefreien Gestaltung des Badezimmers. Das Bad ist auf der einen Seite ein Ort zum Wohlfühlen und Entspannen; ein Ruheraum, in den wir uns zurückziehen können. Auf der anderen Seite gehört es zur täglichen Pflicht: Duschen, Zähne putzen, Rasieren, die Haare frisieren oder zur Toilette gehen – die Körperpflege ist ein wichtiger Aspekt, den wir selbstständig ausüben möchten. Doch auch im Bad gibt es diverse Schwellen, die uns im Alter oder mit einer Behinderung an der unabhängigen Nutzung der Sanitärobjekte hindern: Eine Dusche mit Einstieg, ein niedriges WC oder ein kleiner Raum mit wenig Bewegungsfreiheit sind nur wenige Beispiele. Nicht alle Umbauten sind sofort notwendig, trotzdem sollten Sie die Maßnahmen stets im Hinterkopf behalten und vorausschauend in die Sanierung oder den Neubau einbeziehen.

Damit Sie Ihr Badezimmer vorsorglich planen können, präsentieren wir Ihnen auf Basis der Normen aus DIN 18040-2 drei Badezimmervarianten: Das altersgerechte Bad, das barrierefreie Bad sowie das rollstuhlgerechte Bad. Wir erläutern Ihnen die wichtigsten Aspekte für die Gestaltung des Sanitärbereichs, zur Raumaufteilung sowie zu den Badmöbeln. Daneben erfahren Sie die Bedeutung von Barrierefreiheit und der DIN 18040-2, welche Förderungsmöglichkeiten es gibt und wie Sie die gewünschte Badplanung optimal umsetzen. Zum Einstieg in das Thema Barrierefreiheit, definieren wir diesen Begriff und erläutern Ihnen die Wichtigkeit, die Vorteile sowie die Auswirkungen auf nötige Umbaumaßnamen oder den Neubau Ihres Zuhauses.

1.1 Was bedeutet komfortables Wohnen?

Komfortabel wohnen und sich im eigenen Zuhause rundum wohlfühlen möchte jeder – doch was sind die Voraussetzungen? In erster Linie steht Komfort für Bewegungsfreiheit. Das heißt, Sie können sich frei bewegen und jeden Raum nach Ihren Wünschen und Bedürfnissen nutzen, ohne dass Hindernisse oder Schwellen Sie aufhalten. Ihr Haus ist barrierefrei und erfüllt die folgenden fünf Hauptaspekte.

1.1.1 Genügend Bewegungsflächen

Ganz einfach: Viel Platz bietet auch ausreichend Bewegungsfläche. Insbesondere in viel genutzten Wohnräumen erleichtern Freiflächen den Alltag, wie zum Beispiel im Badezimmer, im Eingangsbereich oder der Küche. So gelangen Sie mit dem Rollator oder Rollstuhl in jeden Bereich Ihres Zuhauses, ebenso gleichen Sie als junge Mutter mühelos den erhöhten Bewegungsradius mit einem Kind auf dem Arm aus. Und benötigen Sie nach einem Unfall einen Gips oder laufen auf Krücken, freuen Sie sich über die barrierefreien Flächen, die Sie vorausschauend bei der Modernisierung bedacht haben.

1.1.2 Breite Türen

Damit Sie in jeder Lebenssituation jeden Raum Ihres Hauses nutzen können, achten Sie darauf, dass alle Türen breit genug sind. Mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl benötigen Sie eine deutlich höhere Durchgangsbreite als ein gesunder Erwachsener. Doch auch mit einem Wäschekorb unter dem Arm oder einem Tablett in der Hand profitieren Sie von einer angemessenen Türbreite.

1.1.3 Barrierefreier Zugang

Stufen und Schwellen stoppen unsere Bewegung, insbesondere bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oder Fortbewegung mit Hilfsmitteln. In einem barrierefreien Haus kann sich jedes Familienmitglied problemlos bewegen, vom Kleinkind über den Ehemann bis hin zu Oma und Opa. Doch komplett barrierefrei ist meist unmöglich: Die Treppe führt in den ersten Stock, die Stufen hoch zur Haustür oder und die kleine Schwelle an der Terrassentür misst ebenfalls einige Zentimeter. Die Stufen können Sie nicht durchgängig beseitigen, die Schwellen jedoch schon. Denken Sie früh über Alternativen nach, von Rampen über neue Türen bis hin zu separaten Zugängen zum Garten. Nutzen Sie bei einer anstehenden Renovierung die Möglichkeit und setzen Sie kleine Maßnahmen direkt mit um.

1.1.4 Erreichbare Bedienelemente

Achten Sie beim Einbau von Lichtschaltern, Steckdosen oder Griffen auf die passende Höhe. Die Bedienelemente sollten bequem positioniert sein, sodass sich niemand bücken oder strecken muss, um sie zu erreichen. Ebenso sollten die Elemente in Sitzhöhe bedienbar sein und nicht zu weit in die Ecke reichen.

1.1.5 Licht und Farben

Licht ermöglicht die Wahrnehmung der Umgebung. Daher sollten Sie Lampen und Wandfarben nicht nur wegen des Designs oder der Lieblingsfarbe, sondern auch nach ihrem Nutzen auswählen. Helle Nuancen heben die Stimmung, lassen Hindernisse sofort erkennen und erleichtern die Orientierung. Bewegungsmelder eignen sich ideal für den Außenbereich, in den Wohnräumen greifen Sie zu stromsparenden Lampen, die für Gemütlichkeit sorgen. In Küche und Bad benötigen Sie viel helles Licht, am Arbeitsplatz sollten Sie tageslichtähnliche Birnen verwenden. Bei der Wahl der Wandfarbe vergrößern Sie das Zimmer durch helle Farben optisch wohingegen dunkle Töne Wohlbehagen hervorrufen. Farbliche Kontraste können zudem Stolperfallen vermeiden, da Sie zum Beispiel Treppenstufen besser erkennen.

1.2 Was ist die Definition von Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit steht für einen Lebensraum, den jeder Mensch gleichberechtigt, selbstständig und weitestgehend ohne fremde Hilfe sicher nutzen kann. So schließt die barrierefreie Gestaltung sowohl körperliche und geistige Behinderungen als auch Funktions- oder Fähigkeitseinschränkungen durch das Alter mit ein. Neben baulichen Aspekten wie Rampen oder breiten Türen zählt zu diesem Lebensraum das komplette Umfeld, von öffentlichen Plätzen über die Arbeitsstätte bis hin zu Verkehrsmitteln, Freizeitangeboten sowie Dienstleistungen. Auch Kommunikation und Medien sind ein zentraler Aspekt durch die wachsende Digitalisierung. Das heißt, auch digitale Medien sollten barrierefrei gestaltet sein, indem zum Beispiel Bildbeschreibungen für blinde Menschen entstehen. Wir beschäftigen uns in diesem Ratgeber mit der Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden, speziell dem Badezimmer. Die gesetzlichen Vorgaben an diese Definition unterliegen der DIN-Norm 18040-2 und unterscheiden das barrierefreie Bad sowie das rollstuhlgerechte Bad. Das altersgerechte Bad hingegen ist nicht an feste Vorschriften gebunden, sondern spricht auf Basis der Norm und der körperlichen Entwicklung im Alter Empfehlungen aus.

1.3. Warum ist Barrierefreiheit wichtig?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Barrierefreiheit eigentlich mit Ihnen zu tun hat? Als gesunder Erwachsener überwinden Sie jede Stufe mühelos, gelangen auch durch schmale Türen und können sich so oft strecken, hinknien oder bücken, wie Sie nur möchten. Die Maßnahmen für ein schwellenfreies Zuhause brauchen Sie erst umsetzen, wenn akuter Bedarf besteht. Schließlich kann niemand in die Zukunft sehen und voraussagen, ob Sie jemals eine Gehhilfe benötigen oder ob Sie im Alter noch in Ihrem Haus leben. Diese Denkweise ist verständlich, trotzdem sollten Sie Ihre Zukunft im Rahmen von Modernisierungen oder einem Neubau im Blick behalten. So profitieren Sie von einer Reihe an Vorteilen:

  • Barrierefreiheit erhöht die Bewegungsfläche und den Wohnkomfort.
  • Sie können die Planung ohne akuten Zeitdruck aufstellen, Angebote vergleichen und von Fördermitteln profitieren.
  • Der Aufwand entsteht nur einmalig während der bereits geplanten Renovierung oder des Neubaus.
  • Sie sparen Kosten durch die Kombination der Baumaßnahmen.
  • Sie bewahren Ihre Selbstständigkeit im Falle eines Unfalls oder einer Krankheit, die Sie in Ihrer Bewegung einschränkt und können in Ihrem Haus wohnen bleiben.
  • Der Wert Ihres Hauses erhöht sich bei einem Verkauf.

Durch den Mehrwert von Barrierefreiheit lohnt es sich, gezielt über Maßnahmen nachzudenken. Zudem erhalten Sie heutzutage Einrichtungen, bei denen die senioren- oder behindertengerechte Bauweise bereits Nebensache ist. So hat sich die bodengleiche Dusche zum absoluten Trendsetter und Standard entwickelt. Als Walk-in-Dusche präsentiert sie sich im trendigen Design und ist aus dem modernen Badezimmer nicht mehr wegzudenken.

1.4 DIN 18040-2 – Barrierefreies Bauen

Die DIN-Norm 18040 stellt dar, unter welchen Voraussetzungen ein Gebäude als barrierefrei gilt. Ziel dieser Norm ist es, Barrierefreiheit in baulichen Anlagen zu realisieren, sodass sie auch für Menschen mit Behinderungen frei zugänglich und ohne fremde Hilfe nutzbar sind. Im Fokus stehen die Bedürfnisse sehbehinderter, blinder und motorisch eingeschränkter Personen, ebenso wie die von Menschen, die Mobilitätshilfen oder Rollstühle nutzen und die mit einer Hörbehinderung leben. Daneben kommen die Vorgaben der Norm weiteren Personengruppen, wie groß- oder kleinwüchsigen Menschen, Senioren, Kindern oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu Gute.

Während sich der Teil 1 der Norm auf öffentliche Gebäude bezieht, betrachtet Teil 2 die barrierefreie Planung sowie Ausstattung von Neubau-Wohnungen. Sinngemäß können Sie die Vorgaben auch für Umbaumaßnahmen oder Modernisierungen anwenden. Diese unterscheiden zwischen barrierefrei nutzbaren oder zusätzlich mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen. Die geometrischen Anforderungen an die uneingeschränkte Nutzbarkeit für Rollstuhlfahrer basiert auf den Maßen eines Standard-Rollstuhls mit maximaler Breite von 70 cm sowie maximaler Länge von 120 cm.

Vorläufer der DIN 18040-2 waren die Normen DIN 18025-1 sowie DIN 18025-2. Die Zusammenfassung beinhaltet eine grundlegende Überarbeitung sowie Umstrukturierung. Mit den sensorischen und kognitiven Anforderungen sowie den Schutzzielen betrachtet die aktuelle Norm weitere, wichtige Inhalte. Zudem fordert sie für den Neubau die nachträgliche Anpassungsfähigkeit der Wohnräume an die barrierefreie Konzeption.

2. Wünsche, Ziele und Möglichkeiten für barrierefreies Wohnen definieren

Bevor Sie sich an die Gestaltung Ihres barrierefreien Badezimmers machen, sollten Sie Ihre Wünsche und Bedürfnisse genau definieren. Welcher Bedarf besteht aktuell und was sollten Sie für die Zukunft beachten, damit Sie durch eine vorausschauende Planung keinen weiteren Umbau in Kauf nehmen müssen? Zudem stellt sich die Frage, welche Maßnahmen für Ihr Vorhaben überhaupt umsetzbar sind. Sanieren Sie Ihr Bad und sind abhängig von den baulichen Gegebenheiten? Oder bauen Sie ein neues Haus und können das Bauvorhaben gezielt an das Thema Barrierefreiheit anpassen? Ebenfalls wichtig ist der Umfang der geplanten Maßnahmen und auf welche Räume sich diese beziehen. Beschränkt sich die barrierefreie Gestaltung auf das Badezimmer oder ist der gesamte Wohnraum betroffen? All diese Fragen sollten Sie vorab klar für sich beantworten und anschließend prüfen, wie zukunftstauglich das eigene Haus oder die Wohnung ist.

2.1 Räumliche Gegebenheiten – Ihr Haus auf dem Prüfstand

Durch eine vorausschauende Bauplanung können Sie theoretisch jedes Haus zukunftstauglich und barrierefrei gestalten. Ausreichend Bewegungsflächen, Vermeidung von Schwellen oder Stufen sowie universell nutzbare Räumlichkeiten, die sich gut verändern und anpassen lassen. In der Praxis beruht der Bau von Ein- oder Zweifamilienhäusern jedoch meist auf den Bedürfnissen junger Menschen und Familien, sodass die Umsetzung barrierefreier Maßnahmen mit hohen Kosten verbunden ist. Stehen Sie nun vor einer Situation, in der Barrierefreiheit für Sie notwendig ist oder denken Sie für die Zukunft über ein komfortables und selbstständiges Leben nach, so sollten Sie Ihre aktuelle Wohnsituation überdenken. Dies beinhaltet die folgenden Fragestellungen:

  • Wer lebt aktuell im Haus und wer lebt dort auch in Zukunft? Denken Sie an Ihre Kinder und Enkelkinder und das Zuhause, das Sie ihnen geboten haben oder noch immer bieten. Stehen die Kinderzimmer leer, nutzen Sie diese bereits anderweitig oder plant eines Ihrer Kinder sogar, das Elternhaus zu übernehmen?
  • Wie viel Raum benötigen Sie zum Wohnen? Nutzen Sie die gesamte Fläche oder sind einige Räume, Keller oder Dachboden überflüssig?
  • Benötigen Sie ein Obergeschoss oder gehen Sie nur zum Schlafen in den 1.Stock? Überlegen Sie, ob das Schlafzimmer nicht auch im Erdgeschoss einen Platz finden könnte. So können Sie sogar einen Teil des Hauses vermieten oder haben Platz für eine Pflegekraft, sofern notwendig.
  • Wie bewerten Sie Ihre gesundheitliche Situation? Leben Sie mit einer Bewegungseinschränkung oder körperlichen Beschwerden? Denken Sie an Stufen, Schwellen oder den nötigen Platz für einen Rollstuhl oder Rollator.
  • Was lieben Sie an Ihrem Zuhause? Worauf möchten Sie nicht verzichten und welche Bereiche machen zu viel Arbeit? Was haben Sie sich in den einzelnen Wohnräumen schon immer gewünscht?
  • Wie gut ist die Infrastruktur in Ihrer Umgebung? Prüfen Sie, ob Sie auch ohne Auto mühelos zum Supermarkt, Arzt oder den Freizeitangebote gelangen. Oder helfen Nachbarn aus und wohnen Kinder und Freunde ganz in der Nähe, um Unterstützung zu bieten?

Seien Sie bei der Beantwortung ehrlich mit Ihrer eigenen Situation, Ihren Wünschen und Bedürfnissen für die Zukunft, sprechen Sie mit Ihren Kindern und finden Sie in Ruhe eine Lösung. Prüfen Sie zugleich Ihre finanzielle Situation, da eine Modernisierung viel Geld kosten kann und Sie ggf. Kompromisse schließen müssen. Machen Sie zudem eine genaue Bestandsaufnahme Ihres Hauses, um alle nötigen Maßnahmen zugleich in Betracht zu ziehen und festzustellen, inwiefern eine Sanierung lohnenswert ist.

Tipp: Sie möchten erst einmal selbst prüfen, wie zukunftstauglich Ihr Haus ist? Dann machen Sie den Test mit zwei Regenschirmen als Krücken oder einem Bürostuhl als Rollator und Rollstuhl. Gehen Sie durch das Haus, die Treppen hinauf, nehmen Sie eine Dusche, bedienen Sie Lichtschalter oder öffnen Sie Fenster. Nehmen Sie zudem den Weg nach draußen, zum Briefkasten und zum Auto. Sie merken schnell, wo die Schwachstellen liegen, wo Hindernisse bestehen oder wo zu wenig Platz zum Rangieren besteht.

2.2 Neubau oder Sanierung des Badezimmers?

Sie bauen ihr Haus und somit das Badezimmer neu? Dann stehen Ihnen die Möglichkeiten zur barrierefreien Gestaltung offen. Leben Sie bereits mit Einschränkungen, wissen Sie genau, welche Maßnahmen für eine barrierefreie Nutzung des Bads wichtig sind. Hierzu können Sie sich an der DIN-Norm 18040-2 orientieren und Fördermittel beantragen. Doch auch, wenn Barrierefreiheit heute noch keine Rolle für Sie spielt, empfiehlt sich eine vorausschauende Bauplanung des Raumes. Eine bodengleiche Dusche bietet auch in jungen Jahren Komfort, die Wände sollten bei Bedarf Haltegriffe tragen können und ausreichende Bewegungsflächen lassen die Nutzung mit einem Rollator oder Krücken zu.

Handelt es sich um eine Modernisierungsmaßnahme für Ihr Bad sind Sie bei der Gestaltung etwas eingeschränkter. Die Raumgröße ist bereits vordefiniert, die Anschlüsse sind vorgegeben und die Sanitärelemente wie Waschbecken und Toilette haben Ihren Platz gefunden. Hier gilt es zu prüfen, wie Sie die Elemente geschickt austauschen können, um die Nutzung zu verbessern. So erhalten Sie Toiletten mit komfortabler Erhöhung, behindertengerechte Waschbecken oder unterfahrbare Siphons. Eine Badewanne können Sie auf derselben Grundfläche optimal durch eine bodengleiche Dusche ersetzen; für eine Dusche mit hohem Einstieg erfordert es für die ebenerdige Anpassung jedoch häufig Sonderlösungen.

3. Das barrierefreie Bad nach DIN 18040-2

In diesem Kapitel definieren wir das barrierefreie Badezimmer auf Basis der DIN-Norm 18040-2. Sie erfahren, welche baulichen Gegebenheiten Sie beim Neubau des Raumes beachten müssen und erhalten auch außerhalb der Norm weitere Tipps für eine optimale Badgestaltung. Anschließend erläutern wir Ihnen Schritt für Schritt die verschiedenen Sanitärbereiche im Bad, von der Toilette über den Waschplatz bis hin zur Dusche und der Badewanne.

3.1 Bauliche Gegebenheiten im barrierefreien Bad

Neben den offensichtlich tagtäglich genutzten Sanitärelementen, wie Toilette oder Dusche, spielen auch die baulichen Gegebenheiten eine maßgebliche Rolle für ein barrierefreies Badezimmer. Dass wir über die Fliesen laufen, ist selbstverständlich – doch was passiert, wenn diese nicht rutschfest sind? Wie breit muss die Tür sein, um das Bad mit einem Rollator betreten zu können? Und eignet sich die Wand für Haltegriffe? Wir erläutern Ihnen, welche Vorgaben Sie nach DIN 18040-2 beachten sollten.

3.1.1 Bewegungsflächen

Platz ist ein entscheidendes Merkmal im barrierefreien Bad. Ein großzügig gestalteter Raum lässt sich leicht an die DIN-Vorgaben anpassen, da genügend Bewegungsspielraum vorhanden ist. Vor den Sanitärobjekten, wie WC, Waschtisch, Badewanne oder Dusche bedarf es einer Mindestfläche von 120 x 120 cm. Diese Flächen dürfen sich überlagern, da Sie die Elemente nicht gleichzeitig nutzen. Dies kommt Ihnen vor allem bei geringeren Platzverhältnissen zu Gute, sodass Sie die Vorgaben selbst auf etwa vier Quadratmetern erfüllen können.

Tipp: Bedenken Sie beim Neubau auch das Gäste-WC mit ausreichend Bewegungsflächen. Nach der DIN genügt es jedoch, wenn einer der Sanitärräume im Haus barrierefrei gestaltet ist.

3.1.2 Wände

Für die Konzeption der Wände muss bauseits eine Nachrüstmöglichkeit für Halte- oder Stützgriffe gegeben sein. Dies gilt für senkrechte oder waagerechte Griffe neben der Toilette, in der Dusche sowie im Bereich der Badewanne. Großzügige Traversenflächen in Vorwandinstallationen und Trockenbauwänden gewährleisten diese flexible Anpassungsfähigkeit, sodass Sie sich in jedem Bereich des Bads sicher bewegen können. Für das Vorwandelement des Hänge-WCs erhalten Sie beidseitig integrierte Befestigungsmöglichkeiten, die auch die nötige Tragfähigkeit und Stabilität sicherstellen. Befindet sich Ihr Bad in einem Raum mit tragenden Wänden, sollten Sie über eine Dusche in der Ecke nachdenken. Dort können Sie Duschsitze oder Griffe ohne Traversen montieren.

3.1.3 Fenster

Achten sie darauf, dass mindestens eines der Fenster im Bad für bewegungseingeschränkte Personen gut erreichbar ist. Es sollte auch in sitzender Person den Blick nach draußen gewährleisten, sodass die Brüstung ab 60 cm über der Oberfläche des Fußbodens (OFF) durchsichtig sein muss. Zudem sollten Sie das Fenster leicht öffnen und schließen können. Das bedeutet, dass der manuelle Kraftaufwand 30 N sowie der maximale Moment 5 Nm nicht überschreiten dürfen. Zwei- oder mehrteilige Fenster, wie sie in den meisten Haushalten als Drehkippfenster vorkommen, sind empfehlenswert. Abzuraten ist von Schwingflügelfenstern oder Fenstern mit Griffleisten, da diese schwerer zu bedienen sind und die Gefahr des Fingerklemmens größer ist. Die Anbringung eines Fenstergriffs am unteren Rahmen, längere Hebelgriffe oder Fenstergriffverlängerungen können zur besseren Bedienbarkeit beitragen.

Wichtig: Die Hinweise zur Bedienbarkeit der Fenster unter geringem Kraftaufwand gelten insbesondere, wenn sich das Bad ausschließlich über das Fenster lüften lässt.

3.1.4 Türen

In erster Linie sollte die Tür zum Bad deutlich wahrnehmbar sein. Sie sollte sich unter geringem Kraftaufwand öffnen und schließen lassen. Durch bogen- oder U-förmige Griffe können auch bewegungseingeschränkte sowie sehbehinderte Menschen die Drückergarnitur gut bedienen. Manuelle Schiebetüren erfordern senkrechte Bügel, die in den Raum ragen, Drehknäufe oder eingelassene Griffe sind nicht geeignet. Schaffen Sie Orientierungshilfen durch taktil erkennbare Türblätter oder visuell kontrastierende Wände, Zagen und Schwellen zum Bodenbelag.

Um ein Blockieren der Türen zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen, darf eine Drehflügeltür nicht in das Bad schlagen, sondern muss sich von außen öffnen und entriegeln lassen. Dadurch vergrößert sich zudem die Bewegungsfläche im Raum. Türanschläge oder Schwellen nicht zulässig, beziehungsweise dürfen nicht höher als 2 cm sein, wenn technisch unabdingbar. Die optimale Durchgangsbreite einer barrierefreien Tür beläuft sich auf mindestens 80 cm, die Höhe auf mindestens 205 cm.

Tipp: Sie können Drehflügeltüren nachträglich mit einem elektrohydraulischen Türantrieb nachrüsten, sodass sich die Tür über einen Sensor oder Wandtaster automatisch öffnen lässt.

3.1.5 Bodenbeläge

Die Bodenbeläge im Bad sollten rutschhemmend sein, da sich durch das Waschen am Waschtisch oder in der Dusche schnell Feuchtigkeit oder Wassertropfen am Boden sammeln können. Wählen Sie für die Nassräume eine Rutschhemmungsklasse von mindestens R9. Je kleinflächiger die Fliesen sind, umso geringer ist die Rutschgefahr. So eignen sich insbesondere Mosaikfliesen besser als große Beläge. Gummimatten oder Badematten mit latexiertem Rücken machen den Bereich vor der Badewanne, Dusche oder dem Waschbecken rutschsicherer, können aber bei Gebrauch von Gehhilfen oder motorischen Einschränkungen schnell eine Stolperfalle darstellen. Daneben erhalten Sie transparente Antirutschstreifen in diversen Körnungen, die Sie nachträglich auf die Fliesen aufkleben. Vermeiden Sie spiegelnde oder blendende Beläge und setzen Sie stattdessen auf visuelle Kontraste. Diese helfen sehbehinderten Personen, sich besser zu orientieren und den Boden als Kontrast zu Wänden oder Türen wahrzunehmen.

Tipp: Achten Sie neben der Rutschhemmung auch auf leicht zu reinigende Bodenbeläge, die Sie fest und eben im Bad verlegen.

3.1.6 Heizung

Für die Einhaltung der Bewegungsflächen sollten Sie auch die Heizkörper nicht außer Acht lassen. Es empfiehlt sich ein Modell, an dem Sie gleichzeitig die Handtücher trocknen können. Das Thermostatventil sollte sich in einer bequemen Greifhöhe in 85 bis 105 cm über dem Boden befinden. Montieren Sie die Heizung mindestens 30 cm über dem Boden, um Schäden durch Hilfsmittel oder Fußstützen auf engem Raum zu vermeiden. Zudem sollten Sie auf eine Positionierung außerhalb der Spritzwasserbereiche von Waschbecken und Dusche achten. Wählen sie ein Modell mit abgerundeten Kanten und glatten Vorderseiten, diese reduzieren das Verletzungsrisiko. Eine gute Alternative zum klassischen Heizkörper ist die Fußbodenheizung. Sie nimmt keinen Platz im Raum ein und bietet stets einen warmen Untergrund für Ihre Füße. Somit benötigen Sie keine weiteren Badematten und vermeiden Stolperfallen.

3.1.7 Licht

Eine gute Beleuchtung ist im Badezimmer unabdingbar. Um wenig Schlagschatten entstehen zu lassen, sollten Sie anstatt einer Lampe in der Mitte des Raums zu mehreren Lichtquellen in den wichtigsten Bereichen greifen. Hierzu zählen die Dusche, die Badewanne, das WC sowie der Waschtisch. Den Spiegel statten Sie zu beiden Seiten mit einem Lichtauslass aus. Greifen Sie zu großflächigen Lampen mit geringer Leuchtdichte und diffus streuender Abdeckung, diese reduzieren Blendungen und Reflexionen. Warmweiße oder neutralweiße Modelle mit guter Farbwiedergabe leuchten das Bad optimal aus, die Beleuchtungsstärke sollte bei mindestens 300 Lux liegen.

Wichtig: Die Lampen im Bad müssen feuchtigkeitsbeständig und je nach Position tropf-, sprüh, spritz oder strahlwassergeschützt sein.

3.1.8 Bedienelemente

Die Bedienelemente für Licht, Strom oder Kommunikationsanlagen müssen gut erkennbar und barrierefrei nutzbar sein. Vermeiden Sie scharfe Kanten durch Abrundungen oder einen Kantenschutz. Kennzeichnen Sie die Elemente in Ihrer entsprechenden Funktion und achten Sie auf eine eindeutige Rückmeldung bei der Bedienung. Das bedeutet, es sollte ein akustisches Signal erklingen, ein Lichtsignal geben oder eine eindeutige Schalterstellung erkennbar sein, sobald Sie die Funktion korrekt ausgeführt haben. Der Kraftaufwand für Schalter und Taster darf maximal 2,5 bis 5 N betragen.

Um die Bedienelemente barrierefrei erreichen zu können, müssen sie stufenlos zugänglich sowie frontal bedienbar sein. Installieren Sie die Elemente in einer Höhe von 85 cm über dem Boden, damit Sie gut greifbar sind. Bei Anordnung mehrerer Varianten übereinander, wie zum Beispiel Lichtschalter, darf die Einbauhöhe bis zu 105 cm betragen.

3.1.9 Kontrastreiche Farben und Materialien

Generell sollten sich die Ausstattungselemente im Badezimmer farblich voneinander sowie von der Umgebung abheben, sodass visuelle Kontraste entstehen. So eignet sich ein heller Waschtisch vor einem dunklen Hintergrund ebenso wie ein helles Waschbecken mit farbigen Umrandungen. Je höher der Kontrast der Farben ist, umso besser ist die Erkennbarkeit der Elemente für sehbehinderte Menschen und Senioren. Schließlich lässt die Sehkraft auch altersbedingt nach. Blendungen, Spiegelungen oder Schatten beeinträchtigen die Wahrnehmung und sollten im barrierefreien Bad nicht vorkommen.

3.2 Das barrierefreie WC

Die erste Entscheidung für den Einbau der barrierefreien Toilette lautet: Hänge-WC oder Stand-WC? Beide Varianten erhalten Sie als erhöhte oder behindertengerechte Modelle, das Wand-WC birgt jedoch den Vorteil, dass die Reinigung des Bodens leichter gelingt und sich die Höhe besser an die Körpergröße anpassen lässt. Zudem verschwinden Rohre und Spülkasten hinter der Wand. Damit das WC gut zugänglich ist, sollte der seitliche Abstand zur Wand oder anderen Sanitärobjekten mindestens 20 cm betragen. Im Idealfall lassen Sie auf einer Seite 90 cm Platz, um auf eine Rollstuhlnutzung vorbereitet zu sein. Die Fläche eignet sich prima für die Waschmaschine oder ein Regal. Montieren Sie die Toilette in einer Höhe von 46 bis 50 cm, dabei sollten die Beine im Sitzen einen rechten Winkel bilden und die Füße ganzflächig auf dem Boden stehen. Individuelle Höhenanpassungen erreichen Sie durch ein manuell verstellbares Vorwandelement. Die standardmäßige Tiefe des WCs von etwa 55 cm ist für das barrierefreie Bad ausreichend.

Für den weiteren Komfort wählen Sie einen Toilettenpapierhalter, bei dem das obere Element die Rolle fixiert, so können Sie das Papier auch mit einer Hand gut abreißen. Sogenannte Boden-Decken-Stangen bieten Ihnen einen stets festen Halt. Senkrecht zwischen Boden und Decke geklemmt, helfen Sie Ihnen beim Hinsetzen und Aufstehen von der Toilette.

Tipp: Legen Sie einen zusätzlichen Strom- und Wasseranschluss neben der Toilette, so können Sie bei Bedarf ein Dusch-WC nachrüsten.

3.3 Der barrierefreie Waschplatz

Je nach Raumgröße wählen Sie zwischen einem großen Waschtisch oder einem kleinen Handwaschbecken mit abgerundeten Formen, um die Verletzungsgefahr gering zu halten. Die Nutzung des Waschplatzes sollte sowohl im Stehen als auch im Sitzen möglich sein. Hierfür müssen Sie Beinfreiheit unter dem Waschbecken schaffen, indem Sie zum Beispiel zu einem unterfahrbaren Waschtisch sowie Unterputz- oder Flachaufputzsiphon greifen. Die Kniefreiraum für eine barrierefreie Nutzung liegt bei 65 bis 70 cm in der Höhe, 30 cm in der Tiefe sowie 90 cm in der Breite. Hieraus ergibt sich eine Waschbeckenoberkante von ca. 80 bis 85 cm. Um mit dieser Einbauhöhe allen Personen Ihres Haushalts gerecht zu werden, bietet sich in einem großen Badezimmer ein zweiter Waschtisch an, alternativ erhalten Sie höhenverstellbare Exemplare.

Damit der Blick in den Spiegel auch im Sitzen gewährleistet ist, sollten Sie ein mindestens 100 cm hohes Modell direkt über dem Waschbecken anbringen können. Dank dieser Höhe sehen Sie stets Ihr Spiegelbild, egal ob Sie beim Zähneputzen aufrecht stehen oder auf einem Hocker Platz nehmen.

Greifen Sie für eine leichte Bedienung zu einem Einhandmischer oder einer berührungslosen Armatur und installieren Sie diese in einem Abstand von maximal 40 cm zur Vorderkante des Waschbeckens. Die berührungslosen Modelle müssen mit einer Temperaturbegrenzung ausgestattet sein, um einen Schutz vor Verbrühungen zu gewährleisten. Hierzu sollte die maximale Wassertemperatur auf 45°C begrenzt sein. Ein Wasserhahn mit langem Hebel eignet sich gut für Menschen mit wenig Kraft und kurzer Reichweite, ebenso bieten ausziehbare Brausen ein Plus an Komfort.

Die nötigen Badutensilien für die tägliche Pflege sollten sich griffbereit neben dem Waschplatz befinden. Sie erhalten zum Beispiel Waschbecken mit großen Ablageflächen an den Seiten, auf denen Seifenspender und Cremes ihren Platz finden. Ein Regal neben dem Becken mit einer Griffhöhe von 80 bis 90 cm bietet ebenfalls genug Raum zur Aufbewahrung. Nachteil ist, dass sich auf dieser Seite kein Haltegriff anbringen lässt. Bei Bedarf können Sie sich am Waschtisch selbst abstützen, dieser sollte 150 kg tragen können. Für einen stabileren Halt finden Sie Modelle mit einer Greifreling oder Griffmulden, die Sie ebenso als Handtuchhalter nutzen können.

Tipp: Ein Durchlauferhitzer findet unter dem barrierefreien Waschtisch keinen Platz mehr. Steigen Sie auf eine alternative und energetisch bessere Warmwasseraufbereitung um.

3.4 Die barrierefreie Dusche

Der wichtigste Aspekt im barrierefreien Duschbereich ist die bodengleiche Dusche. Diese überzeugt sowohl durch ihr modernes Design als auch durch die leichte Reinigung sowie die fehlenden Ecken, an denen sich Schimmel bilden könnte. Dank der schwellenlosen Bauweise können Sie diese auch bei körperlichen Beeinträchtigungen oder mit einer Gehhilfe gut betreten. Nach DIN 18040-2 muss die ebenerdige Dusche niveaugleich zum angrenzenden Bodenbereich des Badezimmers gestaltet sein, die Absenkung darf maximal 2 cm betragen. Rutschhemmende Bodenbeläge bieten bei erhöhter Feuchtigkeit im Bad die nötige Sicherheit und einen Schutz vor Stürzen. Dabei sollte die Bewertungsgruppe mindestens der Rutschhemmung B entsprechen. Fliesen mit einer maximalen Größe von 10 x 10 cm sind optimal, da die höhere Anzahl an Fugen ebenfalls zur Rutschfestigkeit beiträgt und der Fliesenleger das nötige Gefälle gut umsetzen kann. Je nach Raumgröße können Sie die Fläche der Dusche in die vorgegebenen Bewegungsflächen einbeziehen. Voraussetzung dafür ist, dass der Übergang von der Duschfläche zum Badezimmerboden ebenerdig ist und die erforderliche Neigung für den Ablauf des Duschwassers maximal 2% beträgt. Im Idealfall sollte Ihre Dusche mindestens 120 x 120 cm groß sein, besser sind 150 x 150 cm oder 130 x 180 cm.

Für einen stabilen Halt durch Halte- und Stützgriffe, erhöhten Komfort durch einen Duschsitz sowie die leichte Bedienung der Dusche, empfiehlt sich eine Dusche als Ecklösung an einer tragenden Wand. Dort können Sie problemlos die Griffe zur Unterstützung bei jeder Bewegung anbringen. Alternativ erhalten Sie Brausestangen, die gleichzeitig als Haltegriff dienen und gut erreichbar auf einer Höhe von 76 bis 85 cm hängen sollten. Auf einem Duschsitz nehmen Sie entspannt Platz und lassen das warme Wasser auf sich herabprasseln. Da Sie diesen bei Nichtgebrauch einhängen können, erhöht sich der Bewegungsfreiraum in der Dusche. Alternative Varianten stellen der mobile Duschhocker, den Sie bei Bedarf in den Duschbereich stellen können sowie die eingemauerte und geflieste Sitzbank dar.

Bei der Duscharmatur sollten Sie ein Modell wählen, dessen Hebel nach unten zeigt, um Verletzungen vorzubeugen. Dies bietet insbesondere blinden oder sehbehinderten Menschen einen besseren Schutz. Montieren Sie den Wasserhahn in einer Höhe von 85 bis 105 cm, so gelingt die Bedienung auch im Sitzen. Über eine Thermostatbatterie lässt sich leicht die gewünschte Temperatur einstellen, ebenso schützt sie vor durch einen Temperaturstopp bei 45°C vor Verbrühungen. Die Handbrause setzen Sie in einen konisch geformten Halter, dessen Position Sie je nach Bedarf mühelos einhändig verändern.

Sollten Sie eine Duschtür einbauen, muss sich diese wie die Wohnungstüren von außen öffnen und entriegeln lassen. Achten Sie darauf, eine Duschwand ohne Montageleiste am Boden einzubauen, damit Sie keine unnötige Schwelle schaffen. So sitzt die Tür direkt auf dem Boden auf, schützt jedoch weniger vor Spritzwasser im übrigen Raum. Als sinnvoll erweisen sich faltbare oder klappbare Duschabtrennungen, die Sie je nach Gebrauch verschieben können und so größere Bewegungsflächen genießen.

4. Das rollstuhlgerechte Bad nach DIN 18040-2

Im rollstuhlgerechten Badezimmer gibt die DIN-Norm sowohl für die Sanitärbereiche der Dusche, der Toilette, dem Waschbecken sowie der Badewanne, als auch für die baulichen Gegebenheiten des Raumes eine Vielzahl an Vorgaben. Wichtig für die uneingeschränkte und selbstständige Nutzung sind vor allem die Bewegungsflächen, zudem müssen die Elemente auch im Sitzen erreichbar sein. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, welche Aspekte Sie für das rollstuhlgerechte Bad beachten müssen.

4.1 Bauliche Gegebenheiten im rollstuhlgerechten Bad

Die baulichen Gegebenheiten spielen für einen Rollstuhlfahrer im Badezimmer eine ebenso große Rolle wie die klassischen Sanitärelemente. Wie groß müssen die Bewegungsflächen sein, um den Rollstuhl uneingeschränkt rangieren zu können? Wo bedarf es Haltegriffe? Und wie sollten behindertengerechte Fenster und Türen gebaut sein? Die DIN-Norm 18040-2 definiert die Vorgaben zum Bau des rollstuhlgerechten Badezimmers.

4.1.1 Bewegungsflächen

Freie Flächen zum Rangieren des Rollstuhls sowie zur Nutzung der Sanitärbereiche bilden eine elementare Grundlage für die Gestaltung des rollstuhlgerechten Bads. Daher sollten Sie jeweils eine Mindestfläche von 150 x 150 cm vor Dusche, WC, Waschtisch und Badewanne einplanen. Da Sie die Elemente nicht zur selben Zeit nutzen, dürfen sich die Bewegungsflächen überlagern. So können Sie selbst auf neun Quadratmetern ausreichend Raum für den Rollstuhl bieten. Im Idealfall bauen Sie auch das Gäste-WC rollstuhlgerecht auf, so können Sie es bei Bedarf ebenfalls in ein vollwertiges Bad umwandeln.

Tipp: Lässt sich die Duschabtrennung zu Wand klappen, können Sie auch den Bereich der bodengleichen Dusche in die Bewegungsflächen einbeziehen.

4.1.2 Wände

Die Bausubstanz der Wände muss für Halte- und Stützgriffe geeignet sein. Insbesondere neben der Toilette sowie im Bereich von Dusche und Badewanne sollten Sie die Griffe senkrecht und waagerecht anbringen oder bei Bedarf nachrüsten können. Bei Trockenbauwänden und Vorwandelementen eignen sich großzügige Traversenflächen, die diese Flexibilität bieten. Für das WC erhalten Sie zum Beispiel stabile Installationen mit beidseitig integrierten Befestigungsmöglichkeiten für Haltegriffe. Sollte Ihr Bad aus tragenden Wänden bestehen, empfiehlt sich eine Dusche als Ecklösung, da diese verstärkten Wände die erforderliche Tragfähigkeit sowohl von den Griffen als auch von einem Duschsitz gewährleisten können.

4.1.3 Fenster

Damit Sie den Fenstergriff als Rollstuhlfahrer gut im Sitzen erreichen, sollte die Griffhöhe 85 bis 105 cm ab Oberfläche des Fußbodens (OFF) betragen. Im Idealfall befinden sich die Griffe unten am Rahmen so überbrücken Sie zusätzliche Barrieren wie Fensterbänke. Die manuelle Bedienung muss leicht von der Hand gehen, sodass der Kraftaufwand höchstens 30 N sowie der maximale Moment 5 Nm betragen dürfen. Alternativ statten Sie das Fenster mit einem automatischen Öffnungs- und Schließsystem aus. Achten Sie darauf, dass die Brüstung ab 60 cm über OFF durchsichtig ist, sodass Sie auch im Sitzen den Blick nach Draußen werfen können. Alle Vorgaben gelten für mindestens ein Fenster im Badezimmer sowie insbesondere für Bäder, die sich ausschließlich über ein Fenster lüften lassen. Bei der Auswahl der Fenster empfehlen sich zwei- oder mehrteilige Modelle, die als Drehkippfenster häufig in deutschen Haushalten vorkommen. Von Varianten mit Griffleiste oder Schwingflügelfenstern ist aufgrund der erschwerten Bedienbarkeit abzuraten, hier klemmen Sie sich zudem schnell die Finger ein.

Tipp: Greifen Sie zu längeren Hebelgriffen oder Fenstergriffverlängerungen für einen höheren Komfort.

4.1.5 Bodenbeläge

Insbesondere im Badezimmer entsteht täglich eine hohe Luftfeuchtigkeit und feine Wassertropfen setzen sich auf dem Boden ab. Um hier Sicherheit und eine ausreichende Rutschhemmung zu bieten, müssen die Bodenbeläge mindestens der Klasse R9 angehören. Da ein hoher Fugenanteil zu einer besseren Rutschhemmung beiträgt, sollten Sie zu kleinflächigen Varianten wie zum Beispiel Mosaikfliesen greifen. Wählen Sie zudem einen ebenen Belag, den Sie mühelos mit den Rollstuhl befahren können. Alternativ statten Sie den Bereich vor Badewanne, Dusche und Waschbecken durch Badematten mit latexiertem Rücken aus, sollten jedoch sicherstellen, dass diese durch etwaige Kanten kein Hindernis für den Rollstuhl darstellen. Nachträglich anbringen lassen sich Antirutschfolien oder –streifen. Neben dem Sicherheitsaspekt und der Vermeidung von Glätte im Bad, empfehlen sich leicht zu reinigende Beläge. Denn je rauer die Oberfläche der Fliesen ist, umso schwieriger gestaltet sich die Pflege.

Wichtig: Visuell kontrastierende Beläge verbessern die Orientierung für sehbehinderte Menschen, so können Sie ruhig Mut zur Farbe beweisen. Vermeiden sollten Sie Spiegelungen und Blendungen.

4.1.6 Heizung

Damit Sie es im Bad stets wohlig warm haben, darf die Heizung nicht fehlen. Für eine leichte Bedienung im Stehen sowie im Sitzen sollte das Thermostatventil in Greifhöhe hängen, eine komfortable Höhe liegt zwischen 85 und 105 cm. Bei der Planung der Bewegungsflächen müssen Sie die Heizkörper je nach Bauart in die Vorgaben einplanen, um auf engem Raum keine Lackschäden zu riskieren sowie ausreichend Raum zum Rangieren mit dem Rollstuhl zu gewährleisten. Als vorbeugende Sicherheitsmaßnahme bei Beschädigungen des Lacks, sollten Sie die Heizung außerhalb des Spritzwasserbereiches von Dusche und Waschbecken platzieren. Zudem beugt eine Einbauhöhe der Unterkante von mindestens 30 bis 40 cm über dem Boden möglichen Kratzern durch die Fußleisten des Rollstuhls vor. Für den persönlichen Schutz vor Verletzungen, empfiehlt sich ein Heizkörper mit abgerundeten Kanten sowie glatten Vorderseiten.

Tipp: Wählen Sie einen Heizkörper, an dem Sie gleichzeitig Ihre Handtücher trocknen können.

4.1.7 Licht

Mit der richtigen Anordnung der Lichtquellen setzen Sie die Grundlage für eine gute Badezimmerbeleuchtung. Statten Sie genau die Bereiche mit einer entsprechend guten Lampe aus, in denen Sie viel Licht benötigen, anstatt nur einen Lichtauslass in der Mitte des Raumes zu haben. Zu diesen Bereichen gehören die Dusche und Badewanne, das WC sowie das Waschbecken. Beidseitig am Spiegel montierte Lichtauslässe sind ideal. Wichtig bei der Platzierung der Lampen ist die Minimierung von Schlagschatten, der die Sicht beeinträchtigen könnte und so ein Sicherheitsrisiko darstellt. Zur Reduzierung von Blendungen greifen Sie zu großflächigen Varianten mit geringer Leuchtdichte. Diesen bieten den weiteren Vorteil, dass weniger Reflexionen auf glänzenden Fliesen entstehen. Zudem sollten Sie auf warmweißes oder neutralweißes Licht achten, das eine Beleuchtungsstärke von mindestens 300 Lux erreicht.

Wichtig: Im Badezimmer müssen die Lampen feuchtigkeitsresistent sein. Je nach Bereich sollten sie insbesondere gegen Wassertropfen und –spritzer sowie Sprüh- und Strahlwasser geschützt sein.

4.1.8 Bedienelemente

Um die Schalter für Licht, Strom oder sonstige Elemente auch im Rollstuhl mühelos zu bedienen, sollten diese barrierefrei erkennbar und nutzbar sein. Das bedeutet eine visuell kontrastierende sowie taktil wahrnehmbare Gestaltung, die sich von der weiteren Umgebung abhebt. Die Funktion sollte deutlich durch ein Symbol oder eine wiederkehrende Anordnung gekennzeichnet sein. Eine Rückmeldung des Bedienelements bei erfolgreicher Betätigung erleichtert die Nutzung, hierzu zählt ein Lichteffekt, eine gelernte Schalterstellung oder ein akustisches Signal. Für den Vorgang selbst sollten Sie einen maximalen Kraftaufwand von 2,5 bis 5,0 N benötigen.

Neben der Erkennbarkeit und sicheren Nutzung der Elemente, spielt die Erreichbarkeit eine große Rolle. Barrierefrei erreichbar sind die Bedienelemente, wenn sie stufenlos zugänglich sind und die Bewegungsfläche für den Rollstuhl 150 x 150 cm beträgt. Sollte ein Wendevorgang in dem Bereich nicht nötig sein oder eine seitliche Anfahrt ausreichen, genügt eine Fläche von 120 x 150 cm in Fahrtrichtung. Befindet sich das Element nahe der Wand oder einer bauseitigen Einrichtung, muss auch hier ausreichend Raum für den Rollstuhl gegeben sein. Ein seitlicher Abstand von mindestens 50 cm ist nach DIN 18040-2 notwendig. Montieren Sie die Bedienelemente in einer angenehmen Greifhöhe von 85 cm über dem Fußboden. Sollten mehrere Exemplare übereinander angebracht sein, dürfen Sie dieses Maß von 85 cm bis 105 cm variieren. Sie verfügen über Elemente, die nur frontal anfahrbar und bedienbar sind? Dann gibt die Norm zusätzlich eine unterfahrbare Tiefe von 15 cm vor.

4.2 Das rollstuhlgerechte WC

Bei der Wahl der rollstuhlgerechten Toilette können Sie sowohl zu einem Wand-WC als auch zu einer Stand-Toilette greifen. Beide Varianten erhalten Sie als erhöhtes Modell mit den notwendigen Vorgaben zur Rollstuhlnutzung. Die moderne und vorteilhaftere Variante ist ein Hänge-WC, da sich die Reinigung des Bodens leichter gestaltet und Spülkasten sowie Rohre unsichtbar hinter der Wand sitzen. Zudem können Sie die Einbauhöhe zu Beginn über das Vorwandelement bestimmen und müssen nicht zwingend ein erhöhtes Exemplar nutzen.

Um problemlos vom Rollstuhl auf die Toilette übersetzen zu können, bedarf es einer seitlichen Bewegungsfläche von 70 cm in der Tiefe, gemessen von der Vorderkante des WCs bis zur rückwärtigen Wand. Die Breite dieser Fläche sollte an der Zugangsseite des Rollstuhlfahrers bei 90 cm liegen, aus der gegenüberliegenden Seite benötigt eine Hilfsperson mindestens 30 cm Platz in der Breite. Die Höhe der Toilette einschließlich WC-Sitz muss zwischen 46 und 48 cm über der Oberkante des Fußbodens liegen. So ergibt sich eine komfortable Sitzposition, bei der die Beine einen rechten Winkel bilden und die Füße ganzflächig den Boden berühren.

Neben den Abmessungen des WCs spielen die Hilfsmittel eine große Rolle. Dazu zählen in erster Linie Stützklappgriffe zur Hilfe beim Übersetzen. Diese montieren Sie beidseitig neben der Toilette, sodass sie 15 cm über die Vorderkante des Beckens hinausragen. Die Oberkante befindet sich 28 cm über der Sitzhöhe; der Abstand zwischen den Griffen beträgt 65 bis 70 cm. Die gewählten Stützklappgriffe müssen bei Bedarf hochklappbar sowie mit wenig Kraftaufwand zu bedienen sein. Um ausreichend Sicherheit zu bieten, sollte die Befestigung einer Punktlast von mindestens 1 kN am Griffende standhalten.

Zu den weiteren Hilfsmitteln zählt die Rückenstütze, die Sie 55 cm hinter der Vorderkante der Toilette platzieren. Der Toilettendeckel stellt keinen Ersatz für dieses Bedienelement dar. Die Spülung müssen Sie mit der Hand oder dem Arm betätigen können, ohne die Sitzposition zu verändern. Sie können ebenfalls zu einer berührungslosen Drückerplatte greifen, diese muss jedoch so platziert sein, dass Sie die Spülung nicht ungewollt auslösen. Auch der Toilettenpapierhalter muss im Greifbereich liegen, sodass Sie diesen in gleichbleibender Sitzposition bedienen. Wählen Sie ein Modell, das die Rolle von oben hält, um das Papier gut mit der Hand abreißen zu können.

Übrigens: Für ein Plus an Komfort entscheiden Sie sich für ein Dusch-WC. Dieses erleichtert die persönliche Hygiene durch eine eingebaute Duschfunktion per Knopfdruck. Besteht aktuell kein Bedarf, legen Sie einen Wasser- und Stromanschluss im WC-Bereich und rüsten Sie bei Bedarf nach.

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